Kartei Gestapo Koblenz
Signatur
DE ITS 1.2.3.3
Anzahl Dokumente
204410
Form und Inhalt
Enthält:
Kartei der Gestapo Koblenz.
Die Geheime Staatspolizei (kurz: Gestapo) war die Politische Polizei während der NS-Zeit. Sie legte Karteikarten für eine Vielzahl unterschiedlicher Personengruppen an, die sie aus rassistischen oder anderen ideologischen Gründen verfolgte oder die in irgendeiner Form staatspolizeilich in Erscheinung getreten waren. Das heißt, nicht alle in dieser Kartei registrierten Personen waren NS-Verfolgte.
Unter den NS-Verfolgten in dieser Kartei finden sich Juden und Jüdinnen, sowie (ehemalige) Mitglieder kommunistischer oder sozialdemokratischer Vereinigungen, Homosexuelle oder Personen, die u.a. wegen Diebstahl oder Auffälligkeiten an ihrem Arbeitsplatz in der Gestapo Kartei registriert und in der Folge häufig als sog. Berufsverbrecher und sog. Asoziale in ein Konzentrationslager eingewiesen wurden. Die Gestapo legte auch Karteikarten für Menschen an, die mit einem Juden oder einer Jüdin verheiratet waren (diese Form der Ehe nannten sie abwertend „Mischehe“).
In der Kartei wurden auch nichtdeutsche Staatsbürger und Staatsbürgerinnen registriert. Teilweise standen sie unter Spionage-Verdacht und waren im Ausland wohnhaft. Bei den meisten ausländischen Personen, die in die Kartei aufgenommen wurden, handelt es sich jedoch um Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen. Der Großteil von ihnen war wegen verschiedener ‚Vergehen‘ gemeldet worden oder aufgefallen und sollte daraufhin in ein sogenanntes Arbeitserziehungslager überstellt werden.
Es wurden auch Karteien zu Parteimitgliedern der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) angelegt, die sich nicht konform verhielten oder bestimmte Aufgaben oder Ämter übernehmen sollten und daher politisch überprüft wurden. Außerdem nahm die Gestapo sog. V-Leute oder Denunziant*innen in die Kartei auf, die sie als unzuverlässig einstufte.
Da eine Kartei verschiedene Informationen zu der registrierten Person bündelte, war sie die erste Anlaufstelle für Beamt*innen der Gestapo. Überliefert sind mehr als 100.000 Karteikarten der Gestapo Koblenz. Es handelt sich um Vordrucke, von denen es verschiedene Ausführungen gibt (gekennzeichnet mit verschiedenen Nummern oder Farben). Sie variieren in der Ausführlichkeit an dokumentierten Daten zur Person. Im Fall der Gestapo Koblenz enthält der Bestand u.a. die Vordrucke „Gestapa“ Nr. 14, 15, 28a, 57 und 59. Eine Karteikarte ist in der Regel doppelseitig bedruckt, in Einzelfällen finden sich zu einer Person mehrere Karten (abhängig von den gelisteten Strafsachen bzw. Überprüfungen).
In der Regel finden sich folgende Anmerkungen zur Person:
• Name (und eventuell Geburtsname)
• Vorname
• Geburtsdatum (mit Ortsangabe)
• Beruf
• Wohnung
• Familienstand
• Politische Einstellung
• Staatsangehörigkeit
• Glaubensbekenntnis
• Deckname
• Schriftprobe
• Bildvermerk
• Strafen (mit Angaben zu Zeit, Ort, Sachverhalt, Entscheidung des Gerichts und Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft). Hier finden sich auch Hinweise auf korrespondierende Akten anderer Personen.
• Hinweis auf: Polizeiakten
• Hinweis auf: Personalakten
• Hinweis auf: Fingerabdruck-Karte.
Zusätzlich enthalten die Karten Stempel:
• Stempel: J; „IS“; II
• Hinweis auf sog. Mischehe.
Abgebende Stelle
Wiesbaden, Hessische Regierung (heute Landeshauptarchiv Koblenz)
Aufbewahrungsort der Orginale
Landeshauptarchiv Koblenz
