Gestapo
Signatur
DE ITS 1.2.3
Anzahl Dokumente
714672
Form und Inhalt
Während der NS-Zeit legte die Geheime Staatspolizei (kurz: Gestapo) Karteikarten für eine Vielzahl unterschiedlicher Personengruppen an, die sie aus rassistischen oder anderen ideologischen Gründen verfolgte oder die in irgendeiner Form staatspolizeilich in Erscheinung getreten waren. Das heißt, nicht alle in dieser Kartei registrierten Personen waren NS-Verfolgte.
Der Großteil dieses Bestands (mit Ausnahme des ersten Teilbestands, s.u.) besteht aus ebensolchen Karteikarten, welche Gestapo-Mitarbeiter in verschiedenen deutschen Städten anlegten.
Im Fall der Städte Würzburg (1.2.3.11) und Düsseldorf (1.2.3.14) finden sich ganze Akten der Gestapo zu einzelnen Personen (in Kopie). Von der Gestapo Trier (1.2.3.9) sind Auszüge einer sogenannten Lichtbildkartei mit (sowohl privaten als auch erkennungsdienstlichen) Fotografien der Registrierten im Original enthalten.
Unter den NS-Verfolgten finden sich Juden und Jüdinnen, sowie (ehemalige) Mitglieder kommunistischer oder sozialdemokratischer Vereinigungen, Homosexuelle oder Personen, die beispielsweise wegen Diebstahl oder Auffälligkeiten an ihrem Arbeitsplatz in der Gestapo-Kartei registriert und in der Folge häufig als sog. Berufsverbrecher und sog. Asoziale in ein Konzentrationslager eingewiesen wurden. Die Gestapo legte auch Karteikarten für Menschen an, die mit einem Juden oder einer Jüdin verheiratet waren (diese Form der Ehe nannten sie abwertend „Mischehe“).
In der Kartei wurden auch nichtdeutsche Staatsbürger und Staatsbürgerinnen registriert. Teilweise standen sie unter Spionage-Verdacht und waren im Ausland wohnhaft. Bei den meisten ausländischen Personen, die in die Kartei aufgenommen wurden, handelt es sich jedoch um Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen. Der Großteil von ihnen war wegen verschiedener ‚Vergehen‘ gemeldet worden oder aufgefallen und sollte daraufhin in ein sogenanntes Arbeitserziehungslager überstellt werden.
Es wurden auch Karteien zu Parteimitgliedern der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) angelegt, die sich nicht konform verhielten oder bestimmte Aufgaben oder Ämter übernehmen sollten und daher politisch überprüft wurden. Außerdem nahm die Gestapo sog. V-Leute oder Denunziant*innen in die Kartei auf, die sie als unzuverlässig einstufte.
Der erste Teilbestand 1.2.3.0 „Akten der Gestapo und Informationen über die Gestapo“ enthält sowohl Korrespondenz, Erlasse und Verzeichnisse betreffend die Tätigkeiten verschiedener Gestapo-Stellen (u.a. in Düsseldorf, Württemberg-Baden, Nürnberg-Fürth und Koblenz), als auch ein Fernsprechverzeichnis der Polizei- und SS-Dienststellen in Frankfreich (1943), Dokumentation des Sicherheitsdienstes (SD) und Korrepsondenz betreffend die Organisation „Heimattreue Front in Neubelgien.“
