Deportationen aus den Gestapobereichen Hamburg und Bremen (1940-1945)
Signatur
VCC.155.VI
Anzahl Dokumente
980
Form und Inhalt
Enthält:
Diese Einheit enthält Listen zu Deportationen von Jüdinnen und Juden (I) sowie von Sinti und Roma (II) aus dem Gestapobereich Bereich Hamburg (und vereinzelt: Bremen) in Ghettos und Lager der besetzten Ostgebiete sowie in das KL Auschwitz in den Jahren 1940-1945. Die Listen wurden von der Gestapo Hamburg oder in der Nachkriegszeit von Vereinen und Organisationen, oftmals basierend auf Gestapoakten, erstellt. Am Ende der Einheit finden sich Meldekarten und –listen jüdischer Einwohner/-innen Hamburgs und Lübecks.
I) Der Hauptteil dieser Einheit (14 Untereinheiten) dokumentiert die Deportationen der jüdischen Bevölkerung Hamburgs und den umliegenden Städten in die Ghettos Theresienstadt, Litzmannstadt, Riga und Minsk, sowie in das KL Auschwitz. Neben Namenslisten finden sich u.a. auch Begleitschreiben, welche die Gestapo Hamburg in der Regel kurz vor einer Deportation (zum Teil auch wenige Tage danach) u.a. an das Einwohnermeldeamt in Hamburg versandte. Letztere enthalten kurze Erläuterungen zu verwendeten Abkürzungen auf den Listen, sowie Informationen zum Umgang mit den persönlichen Dokumenten der Betroffenen am Tag der Deportation. In der Archivstruktur ist ein Begleitschreiben einer Liste jeweils vorangestellt.
In der Regel finden sich folgende Informationen zu den Betroffenen:
- Name, Vorname
- Geburtstag und -ort
- Beruf
- Wohnung
- Staatsangehörigkeit
Vor jeder großen Deportation aus der Stadt soll es zwischen 20 und 30 Selbstmorde gegeben haben. Vereinzelt finden sich diesbezüglich Listen mit Angaben zu betroffenen Personen. Auch wurden teils Todesdaten nach der erfolgten Deportation auf den Dokumenten ergänzt.
a) Deportationen nach Lodz, Minsk und Riga, 25.10. – 06.12.1941 (Sign.: 8228000 – 8228003):
Zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember 1941 verließen Hamburg vier große Deportationszüge in Richtung Lodz, Minsk und Riga. In den Untereinheiten finden sich die dazugehörigen Listen. In dem zweiten Deportationszug aus Hamburg nach Minsk befanden sich neben 408 Hamburger Jüdinnen und Juden auch 570 Deportierte (255 Männer und 315 Frauen) aus dem Einzugsgebiet der Gestapostelle Bremen. Der Zug traf vormittags im Hannoverschen Bahnhof ein, wo man ihn an den wartenden Zug anhängte.
b) Deportation in das KL Auschwitz, 11.07.1942 (Sign.: 8228004)
Am 11. Juli 1942 verließ der erste von insgesamt drei Deportationszügen des Jahres 1942 Hamburg und fuhr in das KL Auschwitz. Der Transport wurde auf seinem Weg in die besetzten Ostgebiete vermutlich mit weiteren Deportationen zusammengefügt, die in den Tagen zuvor verschiedene Städte aus dem Reichsgebiet verlassen hatten. Der Liste, welche für den „Transport 17“ am 11.07.1942 aus Berlin erstellt wurde, lässt sich entnehmen, dass dieser ebenfalls mit dem Deportationszug aus Hamburg zusammengeschlossen wurde (vgl. Signatur: 15510013 im Bestand VCC 155.I, "Welle 20").
c) Deportationen nach Theresienstadt (1942-1945) (Sign.: 8228004-8228009)
Nach den ersten beiden Deportationen aus Hamburg nach Theresienstadt am 15. und 19. Juli 1942 verblieben lediglich alte und kranke sowie durch eine sog. „Mischehe“ geschützte Jüdinnen und Juden in der Stadt.
Die Deportationszüge, die zwischen Juli 1942 und Anfang 1945 aus Hamburg nach Theresienstadt verschickt wurden, sind in den Büchern des Ghettos mit der römischen Ziffer VI und einer fortlaufenden Nummer versehen. Während die römische Ziffer für den Abfahrtsort stand, markierte die Nummer, um den wievielten Transport aus Hamburg es sich handelte.
Die Untereinheiten enthalten Listen zu den Deportationen VI/1, VI/2; VI/5; VI/6; VI/8.
d) Deportationen nach Theresienstadt und in die besetzten Ostgebiete: Ergänzungslisten und Dopplungen (Sign.: 50600; 8228200; 3835000)
Der ITS hat Listen im Original, in Kopie oder als Abschriften bzw. Nachkriegsaufstellungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und von verschiedenen Institutionen erhalten.
Insgesamt finden sich in den Untereinheiten 50600; 8228200; 3835000 folgende Dokumente:
• Dopplungen: Die Listen sind nicht immer identisch mit den Dokumenten aus 8228004-8228009, sondern enthalten teils ergänzende, handschriftlich hinzugefügte Informationen zu den Deportierten (u.a. Todesdaten).
• Listen und Begleitschreiben der Gestapo Hamburg (in Kopie) zu weiteren Deportationen (insbesondere nach Theresienstadt), die in den vorangegangen Einheiten nicht dokumentiert sind. Darunter finden sich auch Listen zu sog. Einzeltransporten (vgl. 50600). Auf einem „Einzeltransport“ (abgekürzt: „Ez“) befand sich eine kleine Anzahl von Personen, bei denen es sich oft um Jüdinnen und Juden aus sog. „Mischehen“ handelte, die annuliert worden waren, weil der oder die nichtjüdische Ehepartner/-in verstorben war oder die Scheidung eingereicht hatte. In der Regel wurden diese Deportationen mit fahrplanmäßigen Personenzügen durchgeführt.
Die Untereinheit 506000 enthält in der Nachkriegszeit erstellte Namenslisten basierend auf den sog. „Abgangslisten“ der Gestapo Hamburg für den Zeitraum 1942-1945 (Transport VI/1-VI/10). Die Inhalte korrespondieren entsprechend mit den Untereinheiten 8228005-8228009. Darüber hinaus dokumentieren sie weitere Deportationen nach Theresienstadt oder ergänzen in 8228005-8228009 vorhandene Listen (vgl. Abschrift der in 8228005 fehlenden letzten Seiten der Liste zum „Transport VI/1“, Doc ID 11197551-11197554; Abschrift einer Namensliste von Personen (2 Bl.), die zuvor aus Kiel nach Hamburg transportiert wurden, wo ihr Zug dem Deportationszug VI/2 angeschlossen wurde, der die Stadt am 19.07.1942 verließ (vgl. Doc ID 11197606-11197607). In der Untereinheit 8228006 ist diese Liste nicht enthalten.
II) Die Untereinheiten 8228010, 1661000, 3609000, 3834000 enthalten sämtlich Dokumente zu den Deportationen von Sinti und Roma aus Hamburg: In drei Transporten (20. Mai 1940 ins Generalgouvernement; 11. März 1943 und 18. April 1944 in das KL Auschwitz) wurden Sinti und Roma vom Hannoverschen Bahnhof deportiert. Neben Namenslisten von Betroffenen der genannten Deportationen, findet sich auch eine Abschrift der sog. "Zigeunerakte" der Kriminalinspektion Hamburg (vgl. 1661000, 60 Bl.). Darin finden sich neben verschiedenen Listen (u.a. zu Sinti und Roma, die in verschiedene Konzentrationslager, darunter die KL Ravensbrück, Sachsenhausen, Neuengamme deportiert wurden), zwei ausführliche Berichte zu Fragen der Haftentschädigung von 1950/1951. Die Einheit 3834000 enthält neben undatierten Auszügen aus sog. Abwesenheits- und Pflegschaftsakten (u.a. basierend auf Informationen der Kripo Hamburg), eine undatierte Namensliste betitelt „Rückerstattungsansprüche der Zigeuner“, sowie eine Abschrift einer „Aufstellung des Amtsgerichts Hamburg – Abteilungen 110/116 vom 26.06.1940 – der für abwesende Zigeuner bestellten Justizbeamten“. Neben Namen, Anschrift und „Pflegern“ finden sich Aktenzeichen und weitere Bemerkungen.






























